Der Polen-Austausch 2015

Am 17. März um 20:00 Uhr abends stieg unsere Gruppe von Austauschschülern in den Reisebus nach Polen, begleitet von Frau Schneider und Herrn Zwirnmann. Vor uns lag eine 16 Stunden lange Fahrt.

Alle waren wohl ein bisschen aufgeregt, endlich persönlich unsere polnischen Austauschschüler kennen zu lernen. Deswegen wurden vorher im Bus bei Keksen und Schokolade schnell noch einmal die wichtigsten polnischen Worte wiederholt. Am schwierigsten war wohl „Entschuldigung“ auszusprechen (geschrieben wird es przepraszam, gesprochen ungefähr: pscheprascham). Doch als wir am nächsten Tag, so gegen Mittag ankamen, waren wir alle mehr oder weniger gut vorbereitet. Die Polen standen schon wartend vor ihrer Schule und empfingen uns herzlich. Zum Glück war es doch nicht nötig, sich nur auf Polnisch zu verständigen, da unsere Austauschüler/innen Englisch, manche sogar Deutsch sprechen konnten. So fiel die Verständigung bei „unseren Polen“ Zuhause und auf der abendlichen Stadt-Erkundungstour nicht schwer. Die Stadt, die wir erkundeten und in welcher wir untergebracht waren, heißt Chelmno (auf Deutsch: Kulm), wird aber, aufgrund seiner romantischen Lage an der Weichsel und seiner 8 Kirchen und Kapellen (ein Kloster eingeschlossen), auch die "Stadt der Verliebten" genannt. Dazu passt, dass in der Pfarrkirche St. Maria Reliquien des St. Valentin aufbewahrt werden, der von den Einwohnern Chelmnos besonders verehrt wird.

Die nächsten Tage waren durch ein vielfältiges Programm gekennzeichnet, an dem wir immer gemeinsam mit den polnischen Schülern teilnahmen.

Am zweiten Tag unserer Reise fuhren wir zunächst zum Schlittschuhlaufen nach Thorn (Torun) und besichtigten im weiteren Tagesverlauf die Altstadt.

Dabei besuchten wir u.a. das Pfefferkuchenmuseum, wo wir von der Lebkuchenhexe die traditionelle Zubereitung des Pfefferkuchens lernten. Außerdem hatten wir Zeit, ein bisschen zu shoppen, waren leckere Piroggen essen und erfuhren, dass der berühmte Astronom Nikolaus Kopernikus aus Thorn stammt. Obwohl der Tag sehr schön war, war er dennoch auch anstrengend. Deswegen waren wir überrascht und erfreut, dass einige der polnischen Austauschschüler sogar noch Zeit, Energie und Lust fanden, mit ihren jeweils zugehörenden Austauschpartnern zusammen eine Pizza essen zu gehen.

Am dritten Tag starteten wir einen größeren Ausflug nach Danzig (Gdansk). Wir hatten genau eine Brille, um die angekündigte Sonnenfinsternis am Vormittag zu bestaunen und reichten sie, als wir Rast machten, unter allen Schülern herum. Auf dem Weg nach Danzig legten wir einen Stopp bei der Marienburg ein - einer der größten Burgen der Kreuzritter, die heute zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt. Dort erhielten wir eine Führung und hatten nachher noch Zeit, uns eine Bernsteinausstellung anzuschauen. Ein zweiter Stopp war am ehemaligen KZ-Stutthof geplant, doch die Besuchszeiten endeten früher als gedacht und wir wurden leider nicht mehr hineingelassen. Am späten Nachmittag erreichten wir Danzig. Auch dort haben wir einen kurzen Stadtrundgang gemacht und hatten zudem Zeit, in den vielen Shops zu stöbern.

Nach einer Nacht in der Jugendherberge ging es weiter im Programm. Den vierten Tag habe ich von seinen Aktivitäten her auf der einen Seite als sehr interessant, auf der anderen Seite aber auch als sehr nachdenklich stimmend erlebt. Wir besuchten nämlich zuerst das Solidarnosc-Zentrum in Danzig, welches einen anschaulichen und geschichtlich umfassenden Eindruck über die Zeit bis zum Fall des Eisernen Vorhangs in Polen lieferte. Geplant waren danach ein paar Stunden an der Ostsee-Küste und am Strand von Sopot, doch da schlechtes Wetter herrschte, wurde kurzfristig entschieden, die Zeit zu nutzen, um auf dem Rückweg doch noch das ehem. KZ-Stutthof zu besichtigen. Nach einer solch eindrücklichen und wohl auch bedrückenden Konfrontation mit der deutsch-polnischen Geschichte wussten wir umso mehr wertzuschätzen, wie herzlich und freundlich wir als Deutsche in Polen empfangen wurden.

Zurück aus Danzig hat jeder den Abend in der Familie seines jeweiligen Austauschschülers verbracht. Bei mir gab es immer viel leckeres Essen, fast zu viel. Aber es ist wohl nicht sehr höflich, Essen auszuschlagen und so leerte ich immer freundlich lächelnd meinen Teller. Am darauffolgenden Sonntag gab es kein offizielles Programm, sodass wir alle mit unterschiedlichen Aktivitäten beschäftigt waren. Einige von uns gingen shoppen (die meisten Läden haben in Polen sonntags geöffnet), andere besuchten ein Freizeitbad. Ich hatte die Gelegenheit, die Freunde meiner Austauschschülerin (sie hieß übrigens Malgosia) kennen zu lernen und mit ihnen an der Weichsel zu picknicken. Am Abend trafen Malgosia und ich uns mit anderen Austauschschülern zum Bowlen.

Den sechsten Tag verbrachten wir auf einem Bauernhof, wo wir unsere vorhandenen oder nicht-vorhandenen handwerklichen Fähigkeiten erproben konnten. So töpferten wir etwa kleine Skulpturen und Vasen oder verzierten farblose Styropor-Ostereier, auf die wir mal mehr oder weniger stolz waren. Nach der Bastelarbeit sind wir dann zu einer Schnitzeljagd in einem angrenzenden Waldgebiet aufgebrochen und am Abend gab es hausgemachte Suppe und Wurst am Lagerfeuer.

Der siebte Tag hatte durchaus formellen Charakter. Am Morgen stand zunächst eine Präsentation in der Schulaula auf dem Plan, bei der wir Werbung für die Teilnahme am Schüleraustausch machten: Zu diesem Zweck sangen wir die Europahymne auf Deutsch und Polnisch, Gevelsberg wurde von Bianca Kühl im Rahmen eines kurzen Vortrags toll präsentiert und zum Abschluss tanzten wir gemeinsam mit den polnischen Schülern den traditionellen "Schultanz" vor Publikum (den hatten wir schon Tage zuvor gelernt und geübt). Nach etwas Freizeit mit „unseren Polen“ haben wir uns am frühen Nachmittag in der Innenstadt wiedergetroffen und wurden im Rathaus vom Bürgermeister empfangen, welcher sich für die Verwirklichung des Austausches bei uns herzlich bedankte. Den letzten gemeinsamen Abend verbrachten wir in einem Kultur- und Freizeitzentrum am Ufer eines Badesees. Eine polnische Tanzgruppe brachte uns traditionelle Volksmusik und Volkstänze etwas näher und konnte uns mit "sanfter Gewalt" sogar zum Mitmachen überreden, wir spielten Frisbee am Seeufer und versammelten uns für ein gemeinsames Abendessen.

Am letzten Tag hatten wir nochmal die Gelegenheit den Schulunterricht kennenzulernen, bevor wir unsere Sachen packen und uns verabschieden mussten. Bei der Verabschiedung flossen viele Tränen. Traurig und gut eingedeckt mit sehr, sehr viel Essen für die lange Rückfahrt stiegen wir in unseren Bus.
Alles in allem hatten wir in Polen eine tolle Zeit und haben viel gelernt. Bei den meisten von uns umfasst das Wissen um die polnische Sprache nun mehr als 5 Wörter. Zudem haben wir Freundschaften geschlossen und ein tolles Programm erleben dürfen. Ich für meinen Teil freue mich schon riesig auf den Besuch der polnischen Austauschschüler bei uns in Gevelsberg!

Nora Brückelmann

 

 

Polenaustausch 2015: Der Rückbesuch der polnischen Schülerinnen und Schüler in Gevelsberg

Am Dienstag dem 26. Mai war es endlich soweit: Die polnischen Austauschschüler kamen nach 16 Stunden Fahrt endlich in Gevelsberg an. Gerechnet wurde allerdings mit einer etwas kürzeren Fahrt, weshalb bereits bis zu zweieinhalb Stunden vorher auf dem Parkplatz des Schwimm-In campiert wurde. Auch Warten hat Event-Charakter.

Am Morgen des darauffolgenden Mittwochs „durften“ unsere Gäste zunächst für drei Schulstunden am Unterricht teilnehmen, um Eindrücke vom Ablauf in deutschen Schulen gewinnen zu können. Zwar verliefen die ersten beiden Stunden größtenteils recht dröge, doch schienen sie damit die Erwartungshaltung der polnischen Schüler durchaus zu erfüllen. Die dritte Stunde wurde für die meisten etwas unterhaltsamer; auf Grund von unvorhergesehenem Stundenausfall befanden wir uns auf der Suche nach einem neuen Bildungsangebot und beschlossen daher, den Musikunterricht von Frau Engstfeld aufzusuchen, die nun überraschenderweise fast 40 Leute im Musikunterricht begrüßen durfte.
Nach dieser unterhaltsamen und produktiven Stunde machten wir einen Stadtspaziergang, wo zwei engagierte Schüler ihr Bestes gaben, Gevelsberg als beeindruckende Weltstadt zu präsentieren. Direkt im Anschluss ging es erstmal zum Dönerladen (= Kulinarisches Highlight) und ins Rathaus, wo wir von Claus Jacobi herzlich auf Englisch empfangen wurden. Ein Fotoshooting und Interview für die örtliche Presse später machten wir uns auf den Weg ins Freilichtmuseum Hagen, wo wir unter fachkundiger Anleitung unsere nicht vorhandenen handwerklichen Fähigkeiten erproben durften.

Zur Entspannung und zum Ausklang des ersten Tages ging es im Anschluss in die Bowlinghalle und selbst organisiert mit den meisten Polen zum Ennepestrand, wie eigentlich an den meisten Abenden.

Zum Glück hatten sich in der Zwischenzeit EVG und Deutsche Bahn auf eine Einigung verständigt und auch die GDL kündigte eine Streikpause an, sodass sich der Puls von Frau Schneider wieder in gesunde Bereiche begeben konnte. Zeitweise. Denn trotzdem hatten wir manchmal mit Verspätungen, Schienenersatzverkehr, Baustellen, plötzlich nicht mehr weiterfahrenden Zügen und singenden Schülerinnen zu kämpfen. Frau Schneider ist laut eigener Äußerung durch diese Erfahrung nachhaltig geschädigt, genießt aber das Gefühl der Erleichterung, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Sie habe immer noch Albträume von der Deutschen Bahn und o.g. Problemen.

Am Donnerstag schafften wir es nichtsdestotrotz alle wohlbehalten ins Haus der Geschichte und zurück von Bonn nach Gevelsberg an den Ennepestrand. Durch die unvermeidbaren Wartezeiten im öffentlichen Nahverkehr ergaben sich außerdem wunderbare Möglichkeiten des Zeitvertreibes, z.B. Personen zu erraten (was sich mehrsprachig als etwas schwierig herausgestellt hat), das Abendprogramm zu besprechen oder Führungen durch den Kölner Dom zu planen.
Auch hatten wir alle am Freitag nach einem schönen Tag in Oberhausen, wo wir das CentrO und im Gasometer die Ausstellung „Der schöne Schein“ besuchten, die Möglichkeit, der Geburtstagsfeier einer Mitschülerin beizuwohnen (Sweet 16, wobei sie ihrer eigenen Meinung nach vorher schon sweet war). Latürnisch allGohollflei.

Passend dazu konnten wir am Samstag nach Kölle fahren, wo wir den Dom sowie einige andere historische Relikte bestaunen durften. Auch das Schokoladenmuseum konnten wir besichtigen, wobei es im Anschluss daran einige kommunikative Probleme bzw. Missverständnisse gab, die zu Ratlosigkeit der deutschen Schüler und Orientierungslosigkeit der polnischen Schülern (Where ist the Dom, please?) führten. Den Abend verbrachten wir, wie die meisten anderen, zusammen in der Gevelsberger Innenstadt, in der wir an diesem Abend im "Good Is" einkehrten. Anschließend spielten wir zusammen am Ennepestrand Frisbee.

Am Sonntag gab es kein zentrales Programm, was dafür sorgte, dass unter anderem der Wuppertaler Zoo und das Phantasialand von mehr oder weniger großen Gruppen aufgesucht wurden. Trotzdem hatten alle Schüler eine Menge Spaß.
Am Montag entschlossen sich die Verfasser dieses Berichts, dem Polenaustausch ein großes Opfer zu bringen und, anstatt planmäßig in der dritten und vierten Stunde am Philosophieunterricht teilzunehmen, diesen Bericht zu schreiben. Es bleibe nicht unerwähnt, dass die Verfasser hierdurch den Autor Marx leider verpass(t)en.

Dennoch freuen wir uns auf einen hoffentlich lustigen und spannenden letzten Programmtag mit u. A. einer Fahrt auf der MS Kemnade und einem ergreifenden Match in der Beachvolleyballhalle BlueBeach in Witten.

Am morgigen Dienstag, dem 02.06., müssen die polnischen Gäste nämlich leider schon wieder abreisen. Auch wenn sich einige Schülerinnen schon entschlossen haben, sich unbedingt in den Sommerferien wieder zu treffen, sind wir uns wohl einig, dass die Zeit, die wir alle miteinander verbracht haben, eine ganz besondere und unvergessliche Zeit war.

Bianca Kühl & Wolf Kißler

 

 

Wir danken herzlich dem Förderverein des Städtischen Gymnasiums Gevelsberg und dem Deutsch-Polnischen Jugendwerk (DPJW) für die langjährige finanzielle Unterstützung des Schüleraustausches!

 

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